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ChristianFischer macht Fotos

Geklaute Bilder finden und nachlizensieren lassen mit Copytrack

(1.12.2017)

Fast jeder, die oder der Fotos macht und im Web zeigt, kennt es - leider: Man findet die eigenen Fotos auf irgendwelchen anderen Websites wieder.
Die Gründe sind vielfältig. Oft wissen Menschen nicht, dass auch virtuelle Dinge, die man im Netz findet nicht automatisch allen gehören. Oft wissen Menschen schon nicht, dass Fotos jemandem gehören können.
Oft aber auch bedienen sich Menschen einfach, weil es alle tun und weil sie meinen damit durchkommen zu können. Darüber hinaus ist das Web, gerade das sogenannte soziale eine einzige große Kopiermaschine. Teile ich etwas bei Facebook, pinne ich es in mein Pinterest, binde ich ein Instagram-Bild in meinen Blogbeitrag ein - in allen Fällen erstelle ich eine Kopie oder schaffe zumindest eine weitere Veröffentlichung.

Das ist ärgerlich, nicht nur aber gerade auch, wenn man seine Bilder eigentlich verkauft. Vor allem Firmen, Agenturen, professionelle Blogger die es eigentlich alle besser wissen begehen offenen Auges einen Diebstahl und man möchte nicht bestohlen werden.

Jetzt kann man natürlich alle 2 Tage die Google Bildersuche anwerfen und für alle online veröffentlichten Bilder eine Suche starten. Aber zum einen findet auch Google nicht alles und zum anderen: Ich habe zB schon ca 1000 Bilder auf flickr, hier im Blog geschätzt weitere 100 und die möchte niemand einzeln prüfen.

Nun gibt es Dienste, die einem die Suche abnehmen; bei einem hatte ich mich auch einmal angemeldet aber das irgendwie nicht weiter verfolgt. Hemmnis für mich war immer, dass die Dienste ab einer bestimmten Bildermenge kostenpflichtig wurden. Jetzt habe ich wirklich vollstes Verständnis dafür, dass man Geld braucht, aber ich konnte für mich nicht feststellen, ob sich ein kostenpflichtiger Account lohnen würde, da ich nicht einschätzen konnte, wie viele Fundstellen es geben würde - dafür hätte ich den Dienst gebraucht. Die Katze biss sich also in den Schwanz und ich meldete mich wieder ab.

Dann stiess ich auf Copytrack. Zum einen betont Copytrack seinen eigenen Such-Algorithmus und zum anderen ist das Geschäftsmodell anders aufgebaut: Man zahlt nur, wenn eine unberechtigte Nutzung gefunden und erfolgreich nachlizensiert worden ist. Dann bekommt Copytrack eine Provision. Der komplette Ablauf einer Nachlizensierung, also: Anschreiben, Angebot zur Nachlizensierung, sowie evtl. der Klageweg wird dabei von Copytrack abgewickelt.
Klang nachvollziehbar für mich. Und sehr attraktiv.

Nach der Anmeldung konnte ich meine Bilder hochladen. Bis zu 1000 Dateien waren möglich; als mir das nicht reichte, hat ein freundlicher Mensch im Support das Limit sofort erhöht. Bilder, die bei EyeEm liegen müssen nicht hochgeladen werden, sondern werden automatisch erfasst; ich hoffe, es kommen bald weitere Dienste dazu.
Die ersten Meldungen über Fundstellen kamen schnell, schliesslich verteile ich meine Bilder selbst großzügig an den verschiedensten Stellen im Web. Man kann aber einzelne Bilder oder auch komplette Domains whitelisten, so dass sich die gefundenen Bilder bald reduzieren und man nur noch selten falsche Treffer bekommt.
Copytrack verfolgt keine privaten Nutzungen - also zB das private Familienblog, wo sich jemand aus Unwissenheit den schönen Sonnenuntergang als Artikelbild genommen hat. Es gibt sicher auch in dieser Gruppe Menschen, die im vollsten Wissen um den begangenen Diebstahl einfach alles nehmen, was ihnen die Bildersuche ausspuckt, aber ich denke, insgesamt ist das ein guter Weg.

Nach ein paar Wochen entdeckte ich beim Einloggen zwei neue Funde. Beides größere, eindeutig professionell und kommerziell betriebene Online-Portale, eins in der Schweiz, eins in Ungarn. Hätte ich das alleine zufällig entdeckt, hätte ich an dieser Stelle verärgert die Schultern gezuckt - naja, die Schweizer hätte ich vielleicht noch angeschrieben.
So konnte ich aus den Funden einen „Fall“ machen und Copytrack beauftragen, sich darum zu kümmern. Der Ablauf war logisch und immer transparent. Hatte ich einmal Fragen, konnte ich direkt bei Copytrack fragen; auch Rückfragen des Fachbearbeiters, der sich um meine Bilder kümmerte tauchten dort auf. Auch die oft ängstlich gestellte Frage „Was kann/soll ich denn für ein Bild berechnen?“ haben wir dort freundlich beraten diskutiert.
Ein Kritikpunkt: Schade, dass ich keine Benachrichtigungen bekam, so habe ich mich, während die Fälle liefen, sehr regelmäßig eingeloggt um nach Neuem zu sehen.
Da Copytrack erst ein Angebot zur Nachlizensierung mit einer entsprechenden Frist verschickt und weil bei Portale diese Frist bis zur aller letzten Sekunde ausnutzten, dauert das alles ein paar Wochen. Aber am Ende fand ich pro Fall je zwei PDFs in der Mail: Einmal den Beleg über die Nachlizensierung und eine Rechnung von Copytrack über die Provision. das Geld war am gleichen Tag da.

Fazit nach ein paar Monaten und zwei Fällen: Durchweg empfehleswert.

Googelt man nach Erfahrungsberichten, findet man in den entsprechenden Foren natürlich auch die Hilferufe: „Hilfe, eine Firma Copytrack hat mich abgemahnt“. In den Diskussionen fällt natürlich auch das Wort „Abmahnwahn“ - und auch ein Anwalt bietet konkret Hilfe gegen Copytrack. Ich finde aber, dass Copytrack mit seinem Weg, nur kommerzielle Nutzungen zu verfolgen eine gute Lösung gefunden hat. Und für mich funktioniert das sehr gut: Ich zahle gerne Provision von Geld, das ich bekomme statt kein Geld zu bekommen.


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